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Viktor

Schüler

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Beiträge: 88

Motorrad: Raptor 650......ab und zu auf Ducati.....ab und zu auf Zündschlapp.....ab und zu geht`s auf einer kleinen Aprilia Pegaso..

Hobbys: italienische Motorräder , mit dem Womo irgendwo hinfahren, Fahrrad herunter laden und dann die Gegend kennen lernen.....und manchmal zur Feuerwehr....

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Sonntag, 29. Oktober 2017, 19:44

Ventile einstellen am Ducati Motor, eine kleine Beschreibung Teil 2

Hallo zusammen, bitte zuerst Ventile einstellen am Ducati Motor , Teil 1 lesen.......


Jetzt wäre das Schließerspiel an der Reihe, und da sind
zwei wichtige Sachen die man beachten sollte um nicht die gute Laune zu
verderben. Erstens, Fakt ist wenn gleich die Halbmonde(zur Erinnerung, das
waren die Halter der Schließerhülse an den Ventilschaft), also wenn man die
ausgebaut hat und die Hülse ist abgezogen,
dann ist das Ventil lose und könnte ohneweiteres so wegflutschen
in den Zylinder, und weg wäre es und dann heißt es Zylinderkopf ab, also
Achtung. Man kann diese Schrecklichkeit verhindern indem man den Kolben auf OT
bringt oder ganz einfach einen Schraubenzieher als Hindernis durchs Kerzenloch
schieb. Profis blasen Druckluft in den Zylinder, ähnlich wie bei einer
Druckverlustmessung, dann kann gar nichts passieren und die Ventile stehen wie
eine Eins oben. Ja und zweitens, da ist die Sache mit der Ölbohrung im
Zylinderkopf für den Rücklauf. Die kann man gut sehen und diese Bohrung sollte
man mit einem Läppchen verstopfen, denn es wäre nicht das erstemal wenn es
plötzlich pliiink macht und ein Halbmond da sauber reinspringt und verschindet
um dann den Weg in den Ölsumpf zu starten und vielleicht im Getriebezahnrad im
Keller hängen bleibt,weißt du noch Silke........

Also los geht’s,erst mal das selbe Prozedere
wie beim Öffner . Ich beschreibe nun den Vorgang so,als ob man mit drei Leuten
zu Gange ist,aber es geht auch ganz alleine,meine Kumpels und ich ,wir
schwören, das geht.Der Fahrplan ist vollgendermaßen, wir müssen ja zunächst die
beiden Halbmonde ausbauen,die in einer Nut des Ventilschafts lagern und die
Schließerhülse festhalten, danach ziehen wir die Hülse vom Schaft.Um aber die
Halbmonde aus der Nut im Ventilschaft und der Schließerhülse auszuklinken,
müssen wir erst mal die Schließerhülse etwas runterdrücken.Das wiederum
verhindert ja zur Zeit der Schließerhebel der die Hülse ja mit Ventil
hochdrücken will,muß.Das ist das Zeichen für den ersten Mann.Aber halt!!!Steckt
ein Schraubenzieher im Kerzenloch?? Ist die Ölbohrung verschlossen?? Nun gut,
wir müssen sodann erst mal die Nockenwelle so drehen das sie den Schließerhebel
freigibt, denn diesen müssen wir ja etwas runterdrücken um an die Halbmonde zu
kommen.Also der erste Mann/Frau nimmt einen Schraubenzieher und drückt den
Schließerhebel runter. Einsatz für den Zweiten, der drückt jetzt die Hülse
runter und der dritte nimmt jetzt diese kleinen fummeligen freiliegenden
Halbmonde weg, die alten waren noch magnetisch, die neuen leider nicht mehr,
also Wurstfinger vorwärts Marsch und rausholen.Danach kann endlich die
Schließerhülse vom Ventilschaft abgezogen werden.Der Einbau ist
umgekehrt, nur das man diese beiden minifummeligen Halbmonde genau wieder in
die Nut zurücklegen muss und wenn man dann nicht das richtige Maß findet und
der Vorgang zwei oder dreimal wiederholt werden muß, ja dann dauert es eben bei
vier möglichen Einstellmöglichkeiten , über den V4 von der 916 sprechen wir gar
nicht.

Aber soweit sind wir hier noch nicht,
zunächstmal liegt die Hülse auf der Werkbank und will ausgemessen werden. Zur
Erinnerung, wir hatten ja ein Ventilspiel von 0,10 gemessen und Soll ist ja
0-0,02. Ergo müssen wir jetzt eine Hülse finden die mindestens 0,08 bis 0,10
dicker ist. Also, erst mal messen.Und weil die Schließerhülse hohl ist kann man
sie so nicht in die Bügelmessschraube spannen und deswegen brauchen wir da
Spezialwerkzeug,nämlich die beiden Messhilfen zum einspannen in die
Bügelmessschraube. Die kann ein Dreher leicht Selbermachen oder einmalig kaufen
oder immer leihen (soll ein Witz sein, bin Rheinländer). Wir messen, Beispiel,
17,43 und wir müssen dicker werden (Ventilspiel war ja zu groß). Schön wäre es
jetzt eine Hülse im Satz zu finden die mindestens 17,51 ist, für Spiel null
wäre 17,53 noch besser. Nun gibt es die Hülsen nur in 0,05
Abstufungen also in unserem Fall wäre eine neue mit 17,50 nicht richtig
aber auch mit 17,55 wäre falsch (also, ihr seht schon, rechnen muss man auch
können, aber die Leute aus den Pisastudien fahren ja noch keine Ducati).


Nun wühlen wir in
unserem Hülsensammlung und siehe da wir finden eine von 17,48,eigentlich zu
wenig, aber eine bessere finden wir nicht und die bauen wir ein. Wir stülpen
sodann die Hülse wieder über den Ventilschaft und müssen die Halbmonde wieder
einbauen.Dazu muß jemand zunächst wieder den Schließerhebel mit einem langen
Schraubenzieher runterdrücken und gleichzeitig vielleicht das Ventil
hochhalten, denn das will ja bekanntlich immer in den Verbrennungsraum
runterflutschen, da ist zwar der Schraubenzieher im Kerzenloch, aber ein
bisschen abtauchen geht.Nun muß ein anderer die beiden kleinen Halbmonde wieder
in Ventilschaftnut und Hülse reinfummeln, geht doch, geht doch, dann bringen
wir die Nockenwelle wieder in Messposition und Schließerhebel entlasten, und
Hülse drehen und? Klasse, obwohl theoretisch die Schließerhülse zu klein war
(statt 17,53 nur 17,48) wir haben Spiel null eingestellt.Der Schließerhebel hat
kein Rauf-oder Runterspiel was wir dezent mit einem Schraubenzieher prüfen, und
die Hülse lässt sich ohne zu klemmen leicht mit den Fingern drehen und
man meint dann irgendwo die Stimme von Taglioni zu hören der sagt. „ Gut mein
Sohn“. Ich sag euch ganz ehrlich, wenn man an einen Samstagnachmittag
irgendwann fertig ist mit dieser Arbeit und die Ventildeckelchen wieder
anschraubt und vier mal Spiel null eingestellt hat, ja dann weiß man die „hohen
Weihen“ sind erreicht. Aufwachen du Träumer, denn leider gibt es auf dem Weg
dahin noch ein paar Unzulänglichkeiten, denn da gibt es den Fall, trotz allem
messen, rechnen und abschleifen hab ich auch schon mal die alte Hülse oder
Kappe wieder eingebaut und wie durch ein Wunder war das Spiel korrekt.

Als Übeltäter kommen dann immerwieder die Halbmonde
in Betracht, die wohl irgendwie im Betrieb Dickenänderungen erfahren und so
auch das Ventilspiel beeinflussen. Dann gibt es noch das Übel , eine
Schließerhülse lässt sich nicht vom Schaft abziehen denn an der Nut hat sich
ein Grat gebildet. Da bleibt einem manchmal nichts anderes übrig das
Ventil erst mal fest zu fixieren, so das danach der Grat abgeschmirgelt werden
kann. Fest fixieren heißt Zahnriemen ab (was einige Leute grundsätzlich machen)
und Druckluft durch Kerzenloch blasen, ähnlich wie bei einem Druckverlusttest
in der Werkstatt, wie vormals schon beschrieben. So stehen die Ventile nämlich
wie eine Eins fest und es kann ohne Angst des Ventilwegflutschen gearbeitet
werden.Jedenfalls wird dann am besten mit 1000 Schmirgel dieser Grat am Ventilschaft
weggehauen bis sich die Hülse wieder abziehen lässt, manchmal muß leider dann
auchschonmal mit einem Hebel nachgeholfen werden.

Ja Leute, das war`s eigentlich, wie
heißt es noch, Zusammenbau erfolgt in Umgekehrter Reihenfolge.Ach ja, wir
benutzten als Beispiel 17, 43.Das Maß entsteht aus der dicke der
Messhilfe (10mm) und 7,43 das eigentliche Maß der Schließerhülse. Dieses ist
für die Ersatzteilbestellung maßgeblich. Nun ist es nicht immer so das jedes
Ventil eingestellt werden muß und man hört auch davon das mit viel
großzügigeren Ventilspielen gehändelt wird, zudem toleriert vom Hause Ducati.
Bewährt hat sich das Anfertigen einer Tabelle, stehender Zylinder AV EV,
liegender Zylinder AV EV.Wir notieren sogleich alle gemessenen Ventilspiele.Nun
haben wir ja normalerweise die Tabelle vom letzten Mal und da stehen die
vormals verbauten Käppchen und Hülsen notiert und so setzt man sich hin und
erst mal ausrechnen welche Käppchen und Hülsen diesmal fällig werden. Vor allen
dingen ob man diese aus vorhergehenden Ventileinstellaktionen vorrätig hat oder
beim Händler neu bestellen muß.Also wir im Freundeskreis machen schon seit ein
paar Jahren Rudeleinstellungen und die letzten 5 Jahre hat von uns keiner mehr
Ventilkram bestellen müssen, war immer alles vorrätig von den Aktionen
davor. Zahnriemen auflegen ist auch keine große Kunst, überall sind
eindeutige Markierungen.Nur bloß nicht den Riemen zu stramm einstellen.Fünfer
Inbuss als Abstandshalter zwischen Riemen und Spannrolle, dezent Riemen
spannen, Inbussschlüssel abziehen, fertig.

Ok, bis später, Viki
:)



ps:Mit dem Bericht und den Filmen die man
mittlerweile im Web anschauen kann dürfte es gehen.
leben und leben lassen